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Nachhaltig Leben:

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Veröffentlicht von Saskia Dreyer in Familienleben · 2 Juni 2020
Wie du ohne Perfektionismus schon heute die Welt von Morgen mitgestalten kannst

Überall ist der Begriff „Nachhaltigkeit“ zu hören, in den Medien, auf allen Social Media-Plattformen oder der nächstbesten Werbung an der Bushaltestelle. Früher war es eine Lebensphilosophie von besonders naturverbundenen Menschen, heute gehen sogar Kinder dafür auf die Straßen.

Es ist 5 vor 12! Der weltweite Erdüberlastungstag wird jedes Jahr früher erreicht. Das ist der Tag, an dem alle nachhaltig nutzbaren Ressourcen der Erde aufgebraucht sind, die uns als Weltbevölkerung rechnerisch zur Verfügung stehen. Wenn wir also nur so viele Ressourcen nutzen würden, wie sich im selben Zeitraum regenerieren können. 2019 lag er noch am 29. Juli. 2020 wäre er wahrscheinlich bereits am 03. Mai gewesen, wenn die COVID-19-Pandemie nicht dazwischengekommen wäre1.



Was soll uns dieser Erdüberlastungstag sagen?

Lebe so, dass du und auch nachfolgende Generationen ihre Bedürfnisse erfüllen können. Dazu gehört es, fließendes Wasser zu haben, klare Luft zum Atmen, angenehme Temperaturen zum Leben und eine Natur, die den Planeten in seiner vollen Pracht präsentiert. All das ist heute nicht mehr selbstverständlich – leider.

Natürlich sind das erstmal große Worte. Worte, die überfordern können, hilflos machen, die ein Gefühl der Ohnmacht hervorrufen können oder aber auch ein Gefühl der Gleichgültigkeit aufkommen lassen. Denn ich allein kann doch die Welt nicht retten, mag der ein oder andere denken.

Wir alleine können das nicht – richtig. Doch darum geht es meiner nach Meinung auch nicht: Wir können ein Teil davon sein, durch Gespräche und Taten andere inspirieren und somit viele werden, die in Summe die Welt besser machen können. Wir können nicht kontrollieren, was andere Menschen tun. Aber wir sind für unser eigenes Handeln und unsere Entscheidungen verantwortlich. Die gilt es zu hinterfragen. Es geht um die Chance, beim Zaungespräch oder beim Müll sammeln anderen Menschen ein Vorbild zu sein, aufzuklären, Gespräche zu führen und den ein oder anderen bei der Mission mitzuziehen, die Welt von morgen aktiv zu gestalten.



Fang an, alles andere ist ein Prozess!

Wenn du dich in deinen vier Wänden umschaust, dein Leben unter die Lupe nimmst, fällt dir womöglich auf, dass das ein oder andere nicht so nachhaltig ist.

Vielleicht hast du es noch nicht geschafft, auf einen Ökostromanbieter umzustellen. Vielleicht quillt dein Wocheneinkauf nur so über vor Plastik und anderer Verpackung. Vielleicht tummelt sich immer noch eine Menge an Wegwerfprodukten in deinem Haushalt, weil sie das Leben einfach machen. Vielleicht gibst du dich immer wieder Impulskäufen hin, so dass nichts mehr in deinen Kleiderschrank passt oder das Gekaufte nur als Staubfänger dient. Vielleicht besitzt ihr zwei Autos, wobei eins davon oft rumsteht und nur für den Weg zum Briefkasten genutzt wird. Wir könnten die Liste unendlich weiterführen…

Doch wenn du jetzt nicht so recht weißt, wo du beginnen sollst, ist das kein Problem! Das geht vielen Menschen so. Auch bei mir war es nicht anders, als ich vor 4 Jahren anfing, mich mit dem Thema Nachhaltigkeit zu beschäftigen.

Es ist okay! Deswegen aber nicht anzufangen, kann keine Lösung sein. Nicht, wenn du das Problem erkannt hast. Wenn du weißt, worum es dir geht und du fest und sicher in deinem Standing bist.

Es geht nicht darum, von heut auf morgen alles zu ändern. Perfektionismus hat hier keinen Platz. Es geht darum anzufangen und ein Leben lang zu lernen. Es ist okay, Dinge auszuprobieren, festzustellen, dass sie für dein Leben nicht passen, zu verwerfen und eine andere Alternative auszuprobieren. Trial-and-Error – start now!

Wenn du dir noch nicht sicher sein solltest, ob wir tatsächlich ein Nachhaltigkeitsproblem haben, dann informiere dich. Tausche dich mit Bekannten, Freunden und deiner Familie aus, schaue Dokumentationen. Bilde dir deine eigene Meinung und lege dann los!



Auf geht's! Schritt für Schritt in ein nachhaltiges Leben

Doch wo fängst du nun an? Frage dich am besten: Was ist deine größte Baustelle? Genau da fängst du an. Suche nach einer adäquaten, für DICH passenden, nachhaltigen, langlebigen Alternative und setze diese um. Erst wenn diese Veränderung Einzug in deinen Alltag gefunden hat, nimmst du dir das nächste vor.

Wenn du die Sache strukturiert angehen möchtest, kann ich dir empfehlen, dein Leben in so genannte Cluster aufzuteilen. Eine Möglichkeit wären die Bereiche Wohnen, Ernährung, Konsum und Mobilität.
Zu diesen Bereichen schreibst du dir alles auf, was dir so einfällt.

Hier sind ein paar Beispiele:2

Wohnen
·           Ökostromanbieter
·           LED-Lampen
·           Heiz- und Lüftungsverhalten

Ernährung
·           Wo kaufe ich ein
·           Kaufe ich regional und saisonal ein
·           Wie viele Tierprodukte konsumiere ich
·           Wie oft nutze ich einen Lieferservice

Konsum
·           Impulskäufe
·           Wo, was und wie oft kaufe ich ein
·           Nutze ich das Gekaufte auch

Mobilität
·           Besitze ich ein Auto und wie oft nutze   ich das
·           Wie oft nutze ich öffentliche   Verkehrsmittel oder das Fahrrad
·           Wie oft fliege ich mit dem Flugzeug   und wie weit

Hast du die einzelnen Cluster hinterfragt und deine Baustellen herausgearbeitet, so kannst du nun eine Priorisierung vornehmen. Was ist dir wichtig, was ist sogar dringend, was möchtest du zeitnah ändern und wie. Erstelle dir eine Checkliste und arbeite sie nach und nach ab.



Unser Konsum macht 40 % unseres CO2-Fußabdrucks aus

Wow, das ist schon ordentlich und sicher bei vielen eine Baustelle – auch bei mir! Nachhaltig zu leben bedeutet, bewusster und achtsamer zu leben. Was ist mir wichtig? Was brauche ich? Was sind meine Bedürfnisse und wie kann ich mir diese auf eine natürliche Art und Weise erfüllen? Das sind Fragen, die wir anscheinend verlernt haben, beantworten zu können. Wir haben verlernt, überhaupt darauf zu achten.

Wenn wir etwas kaufen möchten, kann uns die „Konsum-Pyramide“ helfen. Sie basiert auf der berühmten Maslowschen Bedürfnispyramide. Frag dich vor jedem Kauf:

1.     Kannst du für den Zweck etwas nutzen, das du bereits besitzt?
 
2.     Kannst du einen kaputten Gegenstand reparieren?
 
3.     Kannst du es selbst herstellen?
 
4.     Wenn das nicht so einfach geht, lässt sich der Gegenstand ausleihen?
 
5.     Wenn du es regelmäßiger benutzen möchtest, kannst du es vielleicht mit einer anderen Person tauschen? Vielleicht hast du etwas, was der andere benötigt.
6.     Kommt das auch nicht in Frage, kannst du es dann gebraucht kaufen?
7.     Als letzter Ausweg – kaufe es neu, dann aber möglichst regional, fair und ökologisch produziert.

Wenn du diese Gedankengänge verinnerlicht hast, wirst du dir nicht mehr aktiv diese Fragen stellen müssen. Es wird zur Selbstverständlichkeit und du wirst ganz automatisch danach handeln.

Gefährlich sind Impulskäufe. Dieses innere Verlangen, dir irgendetwas zu kaufen. Und wenn es die nächsten 10 Oberteile für den eh schon vollen Kleiderschrank sind. Wenn du dieses Gefühl in dir beobachtest, dann halt inne. Wo kommt das her? Was brauche ich gerade WIRKLICH? Ist es wirklich das nächste Statussymbol oder steckt da etwas Anderes hinter?
Schlafe drüber, wenigstens ein paar Tage – vielleicht schaffst du eine Woche. Wenn es dir wirklich wichtig ist, dann wird dich dieser Gedanke bzw. dieses Gefühl begleiten und dann schau, anhand der Konsum-Pyramide, ob du das gegebenenfalls Second-Hand bekommst.



Nachhaltig Leben mit Kindern

Wenn du eine Familie gründest, so wirst du mit ganz neuen Fragen konfrontiert. Nutzt du Wegwerfwindeln? Geht es auch ohne Windeln, wie bei „windelfrei“? Und brauchst du wirklich die ganze Reihe an Pflegeprodukten, die die Regale der Drogeriemärkte füllen?

Kinder sind von Natur aus mit recht Wenig zufrieden. Kommt dein Kind gesund zur Welt, so braucht es keine große Pflegepalette. Da reicht zuhause ein Baumwolllappen und Wasser für die tägliche Hygiene und ein hochwertiges Öl zur Pflege. Für unterwegs können selbstgemachte Feuchttücher eine Option sein. Probiere es gerne aus! Ist das Thema „windelfrei“ nichts für dich, können Stoffwindeln eine tolle und bunte Alternative sein. Stoffwindeln können auch noch für folgende Geschwister genutzt oder nach der Wickelzeit verkauft werden. Sie produzieren so gut wie keinen Müll und sind somit super nachhaltig.

Die wichtigste Frage, die dich im Zusammenleben mit Kindern leiten sollte, ist: Was wollt ihr als Eltern vorleben? Ich sehe darin eine unglaubliche Chance. Wie wundervoll ist es, wenn du deinem Kind ein nachhaltiges und bewusstes Leben mit auf dem Weg geben kannst. Wenn du es teilhaben lassen kannst, wie du Dinge selbst herstellst und die Ressourcen unseres Planeten schonst. Kinder haben die wunderbare Eigenschaft, neugierig zu sein und keine Vorurteile zu haben. Sie haben aber oft unbequeme Fragen, auf die es gilt, gemeinsam eine Antwort zu finden.

Sammelt zusammen Kastanien, um den Vorrat für ein Waschmittel anzulegen. Stellt zusammen Orangenreiniger her oder geht Müll sammeln. Gib deinem Kind ein anderes, ein neues „Normal“ mit und nutze die Chance, gemeinsam die Welt besser zu gestalten – nachhaltig & auf Augenhöhe.

Dieser Beitrag wurde von Saskia Dreyer geschrieben. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist Nachhaltigkeit. Saskia bietet aber noch viel mehr an. Ihr findet sie auf ihrer Homepage www.saskiadreyer-familiencoach.de

Liebe Saskia, vielen Dank für diesen wertvollen Beitrag!

1 www.germanwatch.org/de/overshoot
 
2 https://www.mona-app.de/demo/



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