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Mediennutzung, aber gesund

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Veröffentlicht von Kerstin Butenhoff in Erziehung · 23 Mai 2020
Auf jedem, wirklich jedem Elternabend werde ich irgendwann gefragt, wie viel Zeit Kinder denn nun vor einem digitalen Endgerät verbringen dürfen. Und immer wieder sind die Eltern dann enttäuscht, wenn ich ihnen sage, dass ich darauf keine eindeutige Antwort geben kann oder will. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) empfahlen für den Anfang bisher etwa 30 Minuten pro Tag für Kinder, die älter sind als drei Jahre, später dann steigend.
 
 
Nun hat die WHO die Empfehlung auf rund 60 Minuten für Kinder ab zwei Jahre erhöht. So viel? Anfangs war ich auch erschrocken. Doch dann las ich mich etwas schlau und stellte fest: Selbst diese Empfehlung beruht auf kaum messbaren Daten: Bisher konnte nämlich in keiner Studie nachgewiesen werden, dass Kinder vermehrt unter motorischen Fehlentwicklungen oder Fettleibigkeit leiden, wenn sie vor einem Monitor sitzen. Ich persönlich halte das für zu viel und zu früh, erkläre den Eltern aber auch, wie diese Zahlen zustande kommen – und was meine Erfahrungen mit meinen Kindern waren.

Ich habe meinem Sohn damals auch erst ab einem Alter von drei Jahren erlaubt, fernzusehen. Tablets oder Smartphones spielten noch keine Rolle, als er klein war. Angefangen haben wir mit zehn Minuten Sandmännchen und lange Zeit reichte das völlig – zumal er sah, dass hinterher im RBB eh nur total uninteressante Nachrichten liefen. Erst später entdeckten wir KiKa und auch hier hatten wir das Glück, dass von beliebten Serien jeweils nur eine, maximal zwei kurze Folgen liefen. Anstrengend für alle wurde es erst, als wir DVDs entdeckten, heute vermutlich mit Streamingdiensten oder YouTube vergleichbar. „Nur noch eine Folge“, wurde dementsprechend einer seiner Lieblingssätze. Und oft genug gab ich nach. Weil ich in der Zeit schnell noch zur Mülltonne laufen konnte, schnell noch staubsaugen oder schnell noch die Oma anrufen.

Irgendwann aber stellte ich fest, dass diese 20 Minuten erkaufte Zeit für mich eigentlich nur Stress bedeuteten. Denn mein Sohn konnte in der Zeit komplett in seine jeweilige Lieblingsserie eintauchen, saß 20 Minuten fast regungslos vor dem Fernseher. Die Folge: Hinterher musste er die angestaute Energie und die erfahrene Aufregung loswerden. Austoben. Im wahrsten Sinne des Wortes, mit Rennen, herumtoben, herumbrüllen und mehr. Meine Erfahrung war also: je länger er fernsah, desto länger brauchte er hinterher um sich auszupowern und wieder herunterzukommen. Eine feste Zeitbegrenzung schützte uns also beide vor Stress. Uns beiden ging es also besser, wenn ich zu meiner Ansage „Nur eine Folge“ stand und dabei blieb. Das ist aber von Kind zu Kind und von Familie zu Familie unterschiedlich. Gibt es noch ein kleineres Geschwisterkind, was ins Bett gebracht werden muss oder ein größeres, was gerade Hausaufgabenhilfe braucht, kann „nur noch eine Folge“ auch im Alltag helfen und Ruhe bringen. Ich empfehle daher: Schauen Sie auf sich und Ihre Situation und hören Sie vor allem auf Ihr Bauchgefühl.

Viel schlimmer dagegen finde ich es, wenn kleine Kinder ihre Eltern dabei beobachten, wie die auf Smartphones und Tablets starren. Wie oft erlebt man auch im Alltag, dass Mütter den Kinderwagen schieben und dabei aufs Smartphone starren oder Väter mit Kindern im Restaurant sitzen und die Kinder etwas erzählen wollen, Papa aber aufs Handy starrt. Die Folgen für die Entwicklung von Kindern sind nach Expertenmeinung erheblich. In so genannten Still-Face-Experimenten wurden Eltern aufgefordert, mit absolut versteinertem Gesicht auf ihre Kinder zu reagieren. Die Folge: Die Babys gerieten in Stress, versuchten mit Armwedeln, Strampeln und Weinen wieder ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. Doch gerade die ersten Lebensjahre sind extrem wichtig für die Bindung zu den Eltern und für die Bindungsfähigkeit im späteren Leben. Hantieren Mama und Papa ständig mit dem Handy, kann das also gravierende Folgen haben. Auch die Vorbildfunktion sollte man nie unterschätzen: Sehen Kinder, dass Mama oder Papa ständig fernsehen, zocken oder über digitale Bildschirme wischen, wollen sie das auch: Schließlich lernen sie durch Imitation und verfolgen aufmerksam was ihre Bezugspersonen so machen.

Besser finde ich daher den Ansatz, sich ab einem bestimmten Alter gemeinsam mit den Kindern mit digitalen Medien zu beschäftigen. Zeigen Sie Ihren Kindern ihre Lieblingsserie und schauen Sie sich sich gemeinsam an. Zocken Sie gemeinsam kindertaugliche Spiele oder entdecken Sie die Kreativität, die in digitalen Angeboten steckt. Erstellen Sie selbst kurze Trickfilme oder kleine Kinderbücher, fotografieren Sie ihr ganz persönliches Memory oder Puzzle oder nehmen Sie ein kleines Familien-Hörspiel auf.

All diese und noch viele Anregungen mehr für eine kreative und aufmerksame Auseinandersetzung mit digitalen Medien stelle ich Ihnen übrigens in meinen Infoabenden und Workshops in der Praxis Familienleben vor. Ich hoffe, dass es bald wieder losgeht und freue mich, Sie dann begrüßen zu können.

DigitalCoach Kerstin Butenhoff



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