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"Was krabbelt denn da?" - Hunde und Krabbelkinder

FamiLIEnleBEn
Veröffentlicht von in Familie · 18 Oktober 2015
Es ist geschafft. Kind und Hund leben seit einigen Monaten friedlich miteinander. Doch nun verändert sich etwas. Was mit dem Drehen auf dem Bauch und wieder auf dem Rücken begann, startet nun ins Robben oder Krabbeln. Euer Baby wird mobil.

In den Augen eures Hundes ändert sich also etwas grundlegend. Schon wieder! Hat er sich doch gerade erst an das liegende Baby gewöhnt. Für Ihn nimmt es eine völlig andere Gestalt an. Und das ganz plötzlich. Damit eure Fellnase hiermit ganz entspannt umgehen kann, hat auch euer Baby ein paar Regeln zu befolgen. Schließlich soll es ja auch seine Finger nicht in die Steckdose stecken. Genauso ist ein Hin- und Über-den-Hund-Krabbeln tabu. Für euren Vierbeiner könnt ihr gern daraus ein Training machen. Lotst den Hund z.B. mit einem Leckerchen immer in einem Bogen um das Kind zu euch. Wahrscheinlich wird das euer Baby herzlich amüsieren und es krabbelt lachend in eure Richtung. Lasst euren Hund sitzen oder liegen, denn ihr seid nun unmittelbar dabei und könnt die Situation gut kontrollieren. Euer Kind lernt, Hund ist okay wenn Mutti daneben ist und euer Hund lernt immer im Bogen um das Kind zu laufen.

Aber auch ein Hund darf nicht über ein Baby klettern oder springen. Wie schnell ist eine Pfote auf dem Rücken des Kindes gelandet.
Viel besser ist es auch hier, den Hund um das Kind herum an die Seite des Erwachsenen zu lotsen. Dort darf er sich mit hinlegen und wird sogar gestreichelt und gelobt. Leckerchen können ebenfalls sehr hilfreich sein.

Wieso bekommen Hunde nichts vom Tisch?

Sobald euer Baby sitzen kann, will es richtig mit an den Esstisch. Es gibt nicht mehr nur Brei sondern auch Gemüsesticks, Brot, Kartoffeln, Nudeln, etc. Wie schnell landet da auch etwas auf dem Boden. Ihr habt euren Hund gut erzogen und er sitzt nicht am oder unter dem Tisch beim Essen? Prima! Denn würde er dort liegen, hätte er die Chance, das Essen schnell verschwinden zu lassen.
Im Rudel frisst der Rudelführer gefolgt von den Ranghöchsten zuerst. Danach teilen sich die Rangniedrigeren den Rest der Beute auf.
Wenn ihr also gegessen habt, räumt in Ruhe den Tisch auf, kehrt die Reste zusammen und gebt sie dann erst zum Fressen frei. Am besten natürlich im Napf des Hundes. Wer aber lieber seinen Hund "staubsaugen" lässt, darf dies natürlich tun. Es sollte jedoch kein Familienmitglied mehr am Tisch sitzen.
 
Das Kind will im Hundebett schlafen?

So, wie ihr dem Hund klar gemacht habt, dass Kinderzimmer bzw. Babybett tabu sind, muss nun euer Kind lernen, dass der Platz des Hundes tabu ist. Denn dort ist sein Ruhepunkt. Ein Rückzugsort, wo er sich sicher fühlen kann. Dort kann er ungestört schlafen, sich ausruhen oder das Geschehen in Ruhe beobachten. Wird ihm das Gewusel zu viel, zieht er sich zurück. Dies ist wichtig für seine Gelassenheit. Von dort aus wird er sich hin und wieder neugierig nähern um genau zu sehen, was beim Spielen mit dem Baby passiert. Ladet ihn ruhig dazu ein aber erzwingt es nicht. Es gelten dieselben Regeln wie für ein Neugeborenes. Der Hund darf sich auf Einladung respektvoll nähern und muss sich auf Anweisung wieder zurückziehen.
Die Krabbeldecke ist im Gegenzug tabu für den Hund. Aber er darf sich gern direkt danebenlegen. Gleiches gilt auch für die Decke auf der Wiese oder am Strand. Damit erspart ihr euch außerdem den ständigen Dreck und Sand auf eurer Decke. Setzt euch einfach mit an den Rand der Decke, streichelt die Fellnase und er wird gern auf die Decke verzichten.

Darf mein Kind auch den Hund streicheln?

Irgendwann möchte euer Kind den Hund anfassen. Der Hund sollte hierbei eine entspannte Grundstimmung haben und wach neben euch sitzen oder liegen. So, wie ihr dem Baby beigebracht habt, wie es bei euch "Ei machen" kann, muss es nun auch lernen, dass es den Hund nicht piksen, stupsen oder kneifen darf. Ohren und Rute sind tabu. Zum Streicheln eignen sich die Halsseiten links oder rechts am besten. Bei ganz kleinen Hunden bleibt oft nur der Rücken. Dem Hund tut es gut, wenn auch eure Hand mit streichelt. Diese vertraute Berührung entspannt ihn.
Beobachtet eure Fellnasen dabei genau. Bei Anzeichen von Unsicherheit oder Unwohlsein hört bitte selbst sofort mit Streicheln auf, da ihr dieses Verhalten sonst in den Augen des Hundes bestätigt, und nehmt euer Kind lieber mit einer ruhigen Bewegung weg. Ihr wisst ja bereits, dass hektische Bewegungen verwirren und sogar den Jagdtrieb auslösen können.
Wenn das Kind mit Streicheln "fertig" ist, belohnt den Hund ruhig mit einem Leckerchen. Dann wird aus einem anfänglichen Dulden bald ein ausgiebiges Genießen.
An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass Leckerchen nur aus der Hand der Erwachsenen zu füttern sind. Schließlich wollen wir nicht, dass unser Hund die Hand unseres Kindes mit etwas Fressbarem verknüpft und unser Baby sein Essen teilt. Erst wenn ein Kind weit genug entwickelt ist, dass es unter Anleitung und Aufsicht eines Erwachsenen mit dem Hund Übungen absolvieren kann (z.B. Sitz, Platz,...), darf es auch Leckerchen geben. Das ist bereits mit 2-3 Jahren der Fall. Damit erarbeitet sich der Hund das Futter und es entsteht zwischen ihm und dem Kind die erste echte Rangordnung.
Dies muss durch die Ranghöchsten (Eltern) überwacht und kontrolliert werden, bis das Kind einen souveränen Umgang mit dem Hund gelernt hat. Andernfalls wird euer Hund ggf. die Rangordnung zum Kind in Frage stellen und ihr riskiert eine unangenehme Auseinandersetzung.

Wann kann mein Kind den Hund führen?

Kinder entwickeln sich unterschiedlich. Manche haben zum Ende der Grundschulzeit bereits die notwendige Souveränität einen Hund selbstständig zu führen, andere brauchen etwas länger. Kinder aus Hundesportfamilien sind dazu schon sehr früh in der Lage. Dies sieht man an den Meisterschaften, in denen sie schon mit 5-6 Jahren erfolgreich starten. Aber das ist kein Maßstab für alle anderen. Als Eltern tragen wir die Verantwortung für unsere Kinder und die Entscheidung liegt bei uns. Vertraut auf euer Bauchgefühl. Ihr kennt euer Kind und euren Hund am besten!

Liebe Grüße Jenny Franke
Hundetrainerin sowie Mutti von 2 Kindern (4 und 1 Jahr) und 2 Deutschen Doggen (7 und 2 Jahre)

Liebe Jenny, vielen Dank für diese informativen und tollen Hinweise. Sollte Ihr noch mehr Informationen benötigen oder habt Fragen zu diesem Artikel, könnt Ihr Jenny eine Email schreiben, die ich gern an sie weiterleite.




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