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Vom Abendbrei zum Durchschlafen???

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Herausgegeben von in Schlafen ·
Ein oft besprochenes Thema in meinen FABEL-Kursen ist die Frage des Durchschlafens. Wie gut kann ich mich als Mutter noch an die „durchgemachten Nächte“ und die dunklen Augenringen erinnern und wie oft durfte ich den Satz hören: „Gib Deinem Kind abends einen Milchbrei, dann wird es endlich durchschlafen.“ Immer wieder zweifelte ich an meiner Entscheidung weiter zu stillen, um schließlich wieder einmal durchschlafen zu können. Zu guter Letzt hörte ich auf mein Bauchgefühl und das leidige Thema erledigte sich irgendwann von selbst. Und auch jetzt noch viele Jahre später, dürfen sich Eltern diesen liebgemeinten Satz von ihrem Umfeld anhören. Doch was ist dran an diesen Mythos„Mit Abendbrei schläft das Kind besser und auch durch“ ????

Schaut man sich ernährungsphysiologisch Muttermilch und einen bekannten Abendbrei einmal an, so werdet Ihr erstaunt sein, welche Zusammensetzung diese haben:

Haben 100 ml Muttermilch im Durchschnitt ca. 70 kcal, enthält eine Portion von einem renommierten Abendbrei (der gleichzeitig mit einer bekömmlichen Sättigung am Abend und einem Bild von einem schlafenden Baby wirbt) ca. 191 kcal. Mit ca. 6 Monaten trinkt ein Baby im Schnitt 200 bis 250 ml Muttermilch oder Säuglingsmilch. Rechnet man dieses hoch, ergeben sich bei 250 ml Muttermilch ein kcal-Wert von ca. 175 kcal oder bei PRE-Nahrung 165 kcal. Sollen wirklich diese 20 bzw. 30 kcal das Quäntchen sein, welche das Durchschlafen fördern? Eher Nein – denn diese kleine Menge an Mehrkalorien fallen kaum ins Gewicht. 

Betrachten wir uns die Nährstoffe noch im Einzelnen, sehen wir, dass die Muttermilch (wie auch die PRE-Nahrung) als Hauptzucker Lactose (Milchzucker) und verschiedene Oligosaccharide (z.B. Bifidus, der für eine gesunde Darmflora sorgt) besitzt. Lactose gehört zu den Zweifachzuckern und wird im Vergleich zum Haushaltszucker (Einfachzucker) etwas langsamer gespalten. Viele Abendbreie besitzen zusätzliche Zuckerstoffe wie Stärke, Maltodextrin, Fructose etc., die nicht unbedingt mehr sättigen, sondern im Gegenteil eher zu viel sind. Und ein Zuviel von bestimmten Zuckerstoffen kann sogar Unruhe und Schlafstörungen verursachen, was einige Eltern auch mit der Einführung des Abendbreies berichten!!! Weiterhin ist Lactose wichtig für das Wachstum des Kindes (besonders für die Entwicklung des Gehirns). Und damit kommen wir zum entscheidenden Punkt:

Ein- und Durchschlafen sind Entwicklungsstufen (so wie das Greifen, Sitzen, Krabbeln, Sprechen etc.), von Kind zu Kind verschieden und können nur vollzogen werden, wenn bestimmte Prozesse (z.B. Entwicklung bestimmter Hormone, Ausbildung des 24 Stunden Rhythmus) abgeschlossen sind. Zusätzlich passieren im Schlaf wichtige Abläufe, z.B. Euer Kind verarbeitet die Erlebnisse vom Vortag – das Gehirn reift; Haare, Fingernägel etc. wachsen; bei stillenden Frauen ist die Milchproduktion nachts besonders aktiv. Somit liegt es auf der Hand, warum viele Babys im 1. Lebensjahr noch nicht durchschlafen können. Die Natur ist schuld, denn befinden sich Babys in Entwicklungs- oder Wachstumsphasen wird mehr Lactose benötigt. Das bedeutet - Euer Kind wird eventuell noch mehr wach und ruft nach Nahrung, da das Gehirn und der Körper mehr Energie in kürzeren Abständen brauchen. Zusätzlich bedeutet Stillen auch nicht nur Nahrung, sondern auch Kuscheln, Sicherheit und Nähe u.ä.. Leider hilft da kein „gut sättigender“ Abendbrei. Und wer kennt das nicht – einmal abends zu viel gegessen und man liegt stundenlang wach, weil durch den vollen Magen Schlafen nicht möglich ist?! Gerade jüngere Babys haben noch ein sehr empfindliches Verdauungssystem, welches erst noch reifen muss.

Nebenbei bemerkt zum gutgemeinten und oft gehörten Satz „Mit einem Abendbrei schläft dein Kind durch.“ - laut einer Entwicklungsstudie wachten Kinder vor 30 bis 40 Jahren genauso oft auf wie heutzutage.

Dein Kind schläft plötzlich mit der Einführung des Abendbreies durch? Dann genieße die wertvollen und ruhigen Nächte mit Deinem Kind. Bitte denke aber daran, jedes Kind ist einzigartig und was bei dem Einem hilft, muss beim Anderen nicht wirken.

Ich wünsche Euch wundervolle und kuschlige Nächte mit Euren Kindern – Eure Sabine.



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