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"Oh Schreck, ein Baby im Haus."- Rudelzuwachs für den Vierbeiner

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Herausgegeben von in Familie ·
Oft werde ich in meinen Kursen gefragt, wie man sich verhalten soll, wenn Familienzuwachs ansteht, damit der Vierbeiner sich gut auf das Baby einstellen kann. Obwohl wir selber eine kleine Fellnase zu Hause haben, kenne ich mich bei den kleinen und großen Vierbeinen in diesem Bezug nicht so gut aus. Deshalb bin ich froh, dass ich Euch heute einen Gastbeitrag zu diesem Thema anbieten kann. Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen und danke Jenny für diesen interessanten Artikel:

Für viele Paare ist das Neugeborene die Vervollständigung der Familie. Doch was tun, wenn bereits ein Hund zur Familie gehört? Wird es Probleme geben? Wird er vielleicht eifersüchtig auf das Baby reagieren? Wird er es mögen? Wie mache ich alles richtig?
 
Da jeder Hund so individuell ist wie wir Menschen gibt es keine Bedienungsanleitung. Aber wir können unseren geliebten Vierbeiner auf die neue Situation mit Baby vorbereiten.
Das Kinderzimmer wird hübsch gestrichen, die Möbel aufgebaut, selbst Kleidung wird schon in der übernächsten Größe gekauft, weil sie so süß war. Wieso also nicht auch dem Hund es so leicht wie möglich machen?
 
Grundsätzlich ist es wichtig, dass der Hund sämtliche nach der Geburt zu erwartenden Einschränkungen bereits vorher erlebt. Dies ist notwendig, damit der Hund alle negativen Veränderungen  nicht mit dem Baby verknüpft. Praktisch bedeutet dies, dass bereits im Laufe der Schwangerschaft:

  • Türgitter einzubauen sind
  • ggf. Kinderzimmer zumindest aber die Möbel (z.B. Babybett) tabu sind
  • der gruselige Kinderwagen im Flur steht und gern schon mal zum Gassi gehen mitgenommen werden kann
  • der Hund an einen anderen Platz im Wohnzimmer zieht, weil die Wiege und später der Laufstall dort hin muss
  • das Gassi gehen hin und wieder etwas kürzer und dafür öfter ausfallen wird
 
Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass der Hund das Neugeborene mit möglichst vielen positiven Erfahrungen verknüpfen soll. So bekommt er dann viel Aufmerksamkeit wenn das Baby dabei ist. Hierbei reicht oft ein Lob oder Streicheleinheiten und ein liebevoller Blick zum Hund. Auch Leckerchen können hilfreich sein.
Bei charakterlich ruhigen und ausgeglichenen Hunden ist ein gemeinsames Kuscheln auf der Couch oder Decke zu empfehlen. Entspannte Nachmittage im Wohnzimmer sind ebenfalls sehr angenehm. Bei quirligen Fellnasen ist der gemeinsame Spaziergang mit Spielen besser geeignet.

Oftmals stellen sich Familien die Frage: Soll ich eine volle Windel oder einen getragenen Strampler aus dem Krankenhaus mit nach Hause nehmen?
Dazu lässt sich nur sagen, wenn ihr euch dann besser fühlt, kein Problem. Für euren Hund macht das keinen großen Unterschied. Der Geruch von Neugeborenen ist sehr intensiv und bleibt lange erhalten. Menschliche Fäkalien sind dagegen eher uninteressant. Bei eurer Begrüßung hat der Hund den Geruch bereits in der Nase selbst wenn das Baby noch im Krankenhaus ist.

Alle Vorbereitungen der letzten Monate sind getroffen und nun ist es soweit. Mama und Baby sind gesund zu Hause angekommen. Was nun?
Auch hier ist der Charakter des Hundes entscheidend. Ein ruhiger, gelassener Hund wird eingeladen jedoch bitte nicht gezwungen das Baby zu beschnüffeln. Hierbei kommt der Hund zum Baby. Geht bitte nicht mit dem Baby zum Hund.
Ein Ablecken sollte unterbunden werde, da Neugeborene noch nicht den vollen Immunschutz aufweisen. Es ist jedoch durchaus ein Zeichen von Zuneigung. Abschnüffeln ist ungefährlich.
Das Baby kann hierbei entweder auf dem Arm oder bei großen Hunden in der Wiege liegen. Der Hund sollte einen guten Grundgehorsam haben und sich respektvoll nähern. Das bedeutet, dass er nicht mit der Nase anstupst sondern wirklich nur schnüffelt. Wenn ihr euch nicht sicher seid, lasst euer Baby auf dem Arm und setzt euch auf die Couch oder einen Sessel. So könnt ihr im Notfall Aufstehen und Weggehen.
Ein panisches Hochreißen des Babys oder schnelles Wegdrehen ist für einen Hund verwirrend und kann einen Jagdtrieb auslösen. Ruhige Bewegungen und ein klares "Nein" versteht er jedoch im Regelfall gut.
Falls ihr nicht möchtet, dass euer Hund sich der Wiege nähert, müsst ihr es ihm verständlich machen. Denkt dabei zurück an die Anfänge der Hundeerziehung: unerwünschtes Verhalten wird mit einem "Nein" beantwortet und sobald er die Handlung abbricht wird der Hund gelobt.

Das Baby gehört euch und zu euch, dass muss ein Hund lernen. Erhebt Anspruch auf das Neugeborene. Der Hund hat sich nur mit Erlaubnis zu nähern und sich auf Befehl zu entfernen. Um dies zu gewährleisten, darf ein Hund niemals mit einem Baby allein sein. Die Aufsichtspflicht liegt immer bei den Eltern.

Bei quirligen Fellnasen ist es wichtig, dass der Hund erst zur Begrüßung eingeladen wird, wenn sich seine Freude und Aufregung gelegt hat. Er wird sich trotzdem neugierig dem Baby nähern, sobald ihr es ihm gestattet.

Für alle Hunde gilt, dass ihr den Zeitpunkt und die Dauer des Kontaktes zwischen Baby und Hund bestimmt. Dies betrifft übrigens auch sämtliche anderen Bereiche (Gassi gehen, Spielen, Kuscheln und Fressen). Hier könnt ihr bereits in der Schwangerschaft prüfen, ob ihr dem Hund in der Rangordnung vorangestellt seid.
Ein Hund, der sein Herrchen vom Fressnapf wegknurrt, so lange mit dem Kopf auf dem Schoß liegt bis er gestreichelt wird, den Ball immer wieder vor die Füße wirft obwohl Frauchen schon Muskelkater vom vielen Werfen hat oder pünktlich um 17 Uhr vor der Eingangstür sitzt und jault weil er raus will, zeigt euch, dass ihr ihm untergeordnet seid.
Diese Unterordnung bedeutet im schlimmsten Fall für den Hund die Möglichkeit der freien Entscheidung zur Ablehnung des Neugeborenen. In der Hundewelt bestimmt ausschließlich der Rudelführer die Aufnahme eines neuen Rudelmitglieds. Rangniedrigere Hunde haben die Entscheidung zu akzeptieren und würden sie auch nie in Frage stellen.

Das heißt nicht, dass das Neugeborene automatisch höher gestellt ist als der Hund. So etwas gibt es im Rudelgefüge nicht. Die Rangordnung wird durch feste Abläufe im Rudel klar gestellt. Hunde betrachten den Neuzugang als Welpen und alle Rudelmitglieder sind an deren Aufzucht und Erziehung beteiligt. Sobald ihr also den Raum verlasst, würde euer Hund eure Rolle einnehmen und ggf. auch Maßregelungen erteilen. Womit wir wieder beim niemals allein lassen von Baby und Hund sind.

Was tun, wenn mein Hund sich nicht für mein Baby interessiert?
Kein Problem. Bleibt aufmerksam und beobachtet ihn genau. Ist es wirklich Desinteresse oder vielleicht Angst? So ein kleines Würmchen, das auch noch sehr laut sein kann, ist ihm vielleicht unheimlich. Drängt euren Hund auf keinen Fall zum Kontakt. Besser ist es, dem Ganzen Zeit zu geben und abzuwarten, wie sich das entwickelt.

Und wenn mein Hund das Baby anknurrt?
Knurren ist eine akustische Drohgebärde. Habt ihr die vorangegangenen Signale nicht verstanden?
Für den Moment jedoch müsst ihr reagieren. Schickt den Hund auf seinen Platz. Das Knurren an sich wird nicht weiter bestraft. Schließlich sind wir erleichtert, dass er nicht gleich gebissen sondern "nur" geknurrt hat.
Liegt er entspannt auf seiner Decke oder in seinem Körbchen, wird er gelobt. Nach ein paar Minuten könnt ihr den Hund einladen, sich das Baby noch einmal anzuschauen. Er wird normalerweise nur so nah rangehen, wie er der Situation vertraut. Zeigt er wieder ein Knurren, schickt ihn zurück auf seinen Platz. 

Dies macht ihr bitte mit ruhiger und klarer Stimme. Wiederholt die Übung so lange, bis er sich einmal ohne Knurren oder andere Aggressionszeichen genähert hat. Dafür wird er belohnt und die Übung ist für den Moment beendet.
Ein solches Verhalten bei einem Hund zeigt jedoch, dass es grundsätzlich Probleme in Rudelgefüge gibt, die dringend gelöst werden müssen. Hierbei kann ein erfahrener Hundetrainer helfen.

Abschließend bleibt nur noch zu sagen, dass ein Hund, der gut sozialisiert, gesund und sich seiner Rolle im Rudel klar und sicher ist, positiv auf euer Baby reagieren wird. Und wenn ihr ihm weiter die gewohnte Aufmerksamkeit schenkt, wird es keine Eifersuchtsdramen geben. Vielmehr ist das Rudel um ein Mitglied gewachsen und das garantiert eine Menge Spaß und Freude für alle zusammen. Zwischen Kind und Hund wird eine Freundschaft entstehen, die das ganze Hundeleben hält.
 
Liebe Grüße Jenny Franke
Hundetrainerin sowie Mutti von 2 Kindern (4 und 1 Jahr) und 2 Deutschen Doggen (7 und 2 Jahre)

Sollte Ihr noch mehr Informationen benötigen oder habt Fragen zu diesem Artikel, könnt Ihr Jenny eine Email schreiben, die ich gern an sie weiterleite.




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